Inszenierung und Spiel
Meine Fotografie verbindet technische Präzision mit experimentellen Ansätzen zu visuellen und introspektiven Erzählungen. Anders als die meisten Fotografen, die Momente in Sekundenbruchteilen festhalten, baue ich meine Bilder langsam auf. Durch Langzeitbelichtungen, meist bei Nacht, und das Zusammenspiel von natürlichem und künstlichem Licht forme ich surreal anmutende Szenen.
Jedes meiner Bilder verbindet sorgfältige Planung mit einer freien, experimentellen Herangehensweise. Diese Arbeitsweise löst die Grenze zwischen Inszenierung und Spiel auf und lässt bewusst Raum für das Unvorhergesehene. Das Streben nach einem perfekten Bild im klassischen Sinne interessiert mich nicht.
Vor dem Shooting lege ich eine Idee fest und entwerfe eine Komposition, manchmal begleitet von einer Skizze. Wenn ich glaube, das Bild zu haben, das ich wollte, beginne ich in der Regel zu experimentieren. Manchmal mit den Lichtern und Lampen, manchmal mit dem Setting oder dem Kamerawinkel, und manchmal mit etwas völlig anderem. Das hilft mir nicht nur, frisch zu bleiben und mich selbst zu überraschen, sondern erweitert auch den Spielraum und lässt das Spiel eine wichtige Rolle im kreativen Prozess einnehmen.
Worauf es mir ankommt, ist die unmittelbare, physische Verbindung zwischen Licht, Raum, Zeit und Motiv. Meine Bilder existieren in der Spannung zwischen Präzision und Spontaneität und laden den Betrachter dazu ein, Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern als skulpturale, erzählerische Kraft zu verstehen.
Technik
Ich arbeite mit digitalen und analogen Kameras auf Stativen, ausgelöst über externe Fernauslöser im Bulb-Modus, und habe meine eigenen Lampen gebaut oder modifiziert, um die gewünschten Farben zu erzielen. Künstliches Licht setze ich im Zusammenspiel mit natürlichem Licht ein.
Die meisten meiner Lampen sind auf Teleskopstangen montiert, und ich bewege mich selbst durch das Bild, nah am Motiv und im Sichtfeld der Kamera. Dabei achte ich darauf, selbst keine Spuren im Bild zu hinterlassen.
Für Objekte, die zu groß oder zu unzugänglich sind, um sie auf diese Weise zu erreichen, nutze ich stattdessen stark fokussierte Handlampen. Damit kann ich das Licht auch aus größerer Entfernung präzise auf einer Oberfläche formen.
Man fragt mich öfters, ob meine Fotografie Lichtmalerei sei. Das ist es nicht. Es werden keine Spuren oder Formen zur Kamera hin gezogen. Jede Oberfläche wird einzeln, aus nächster Nähe beleuchtet, eher so wie ein Bildhauer eine Form erschafft und nicht wie ein Maler Farbe auf eine Leinwand aufträgt.
Ein Bild entsteht schrittweise, Durchgang für Durchgang, über Belichtungszeiten, die meist zwischen zwei und 25 Minuten liegen, manchmal auch bis zu zwei Stunden.
Die Bilder wurden so in der Kamera festgehalten. Meine Fotos entstehen nicht durch digitale Effekte.
Von Hand entwickelt, nicht per Algorithmus
Ich nutze Adobe RAW zur Entwicklung der digitalen Negative und Photoshop zum Stapeln, Maskieren, Retuschieren oder Bearbeiten der Bilder, genau wie man es in einer traditionellen analogen Dunkelkammer tun würde. Diese Art der Bildbearbeitung habe ich in den Neunzigerjahren während meines Studiums in Großbritannien lieben und beherrschen gelernt.
Auf KI-generierte oder KI-bearbeitete Inhalte verzichte ich vollständig.
Was ist echt? Was ist menschlich?
In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen authentischem menschlichem Handeln und Künstlicher Intelligenz zunehmend verschwimmen, stellen sich drängende Fragen.
Was ist noch von Menschenhand gemacht? Was ist wirklich authentisch? Und nach welchen Kriterien lässt sich das überhaupt noch beurteilen?
Wir müssen Wege finden und beschreiten, denen KI nicht folgen kann. Performance und Spiel mögen die letzten Bastionen sein, die dem Menschen vorbehalten bleiben. Der Homo sapiens hat sein Modell vielleicht bald ausgeschöpft. Der Homo ludens, der spielende Mensch, könnte der treffendere Ansatz für unsere Zeit sein.
Authentizität
Im Spiel ist es möglich, durch scheinbar irrationales, vermeintlich unvorhersehbares Verhalten Grenzen zu überschreiten und die angenommenen Regeln der Logik außer Kraft zu setzen. Die Authentizität eines Werks lässt sich dadurch begründen, dass man Zeuge dessen wird, was vor Ort geschieht, oder aktiv daran teilnimmt. Menschliches Handeln ist, unabhängig von jeder inhaltlichen Bewertung, unmittelbar real und authentisch.
Nebenwirkungen und körperlicher Einsatz
Diese Art der Fotografie fordert mich mental wie körperlich. Jedes Bild trägt seine eigene, oft unsichtbare Entstehungsgeschichte in sich. Als Athlet, der seit 15 Jahren als professioneller Discgolf-Spieler aktiv ist, und als Designer, der seit 1999 selbstständig arbeitet, fließen Ausdauer, visuelle Präzision und ein tiefes Verständnis für Raum, Bewegungsbahnen und Dynamik ganz natürlich in meine Arbeit ein.
Oft stehe, gehe, klettere, kauere oder verharre ich über längere Zeit in einer Position. Die Temperaturen reichen von bitterkalt bis unangenehm heiß, während Wind und Wetter zusätzliche Schwierigkeiten mit sich bringen.
Die Arbeit im Freien bei Nacht bringt unvorhersehbare Begegnungen mit sich. Neugierige Passanten, mitunter sehr eigenwillige Gestalten, aufmerksame Tiere und ständige Begleiter wie Mücken oder Zecken. All das ist untrennbar mit dem Entstehungsprozess verbunden und macht die Arbeit an diesen Bildern zu einem intensiven Erlebnis.
Über mich
Ich bin Fotograf und Designer mit Sitz in Berlin. Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Designbranche, einem Hintergrund im professionellen Discgolf und als Musiker vereine ich Designexpertise, kreative Vielseitigkeit und körperlichen Einsatz in meiner Arbeit.
